Mann verzieht vor Schmerz das Gesicht und hält sich die Wange

Schmerzlexikon

Zahnschmerzen

Wenn der Zahn gesund ist und der Schmerz vom Kiefer kommt

Zahnschmerzen durch den Kiefer erkennst du oft daran, dass der Zahn wehtut, die Zahnarztpraxis aber nichts findet. Dann kommt der Schmerz häufig aus der Kaumuskulatur oder dem Kiefergelenk, etwa durch Zähnepressen, Knirschen oder eine Kieferverspannung. Meist steckt hinter Zahnschmerzen (medizinisch Odontalgie) aber eine zahnärztliche Ursache wie Karies oder eine Entzündung. Deshalb gilt: Zahnschmerzen zuerst immer zahnärztlich untersuchen lassen.

Wenn Kaumuskeln in die Zähne ausstrahlen

In Kaumuskeln, die lange zu viel arbeiten, können sich harte, druckempfindliche Stellen bilden. Fachleute sprechen von Triggerpunkten. Drückt man darauf, spürt man den Schmerz oft woanders. In einer Untersuchung an 230 Menschen mit CMD löste Druck auf Kau- und Nackenmuskeln bei 85 Prozent solche ausstrahlenden Schmerzen aus (Wright, 2000). Schmerzen aus Kaumuskeln wie Masseter (an der Wange) und Temporalis (an der Schläfe) können auch in die Zähne ausstrahlen. Eine Übersichtsarbeit führt solchen ausstrahlenden Muskelschmerz als eine von acht Gruppen der Zahnschmerzen ohne Befund am Zahn (Yatani et al., 2014).

Typische Hinweise auf einen muskulären Zahnschmerz:

  • Der Schmerz ist dumpf, schwer zu orten und wandert oder wechselt die Seite.
  • Er ist morgens nach einer Nacht mit Knirschen oder nach einem stressigen Tag stärker.
  • Mehrere Zähne tun gleichzeitig weh.
  • Wärme, Massage oder Lockerlassen des Kiefers machen ihn manchmal leichter.

Fachlich heißt das nicht zahnbedingter (nicht-odontogener) Zahnschmerz.

Häufige zahnärztliche Ursachen

  • Karies
  • Pulpitis, eine Entzündung des Zahnnervs, oder Entzündungen an der Zahnwurzel
  • Parodontitis, eine Erkrankung des Zahnhalteapparats
  • Zahnfrakturen oder Probleme mit Füllungen
  • Durchbrechende Weisheitszähne
  • Probleme mit Implantaten oder Zahnersatz

Wenn der Zahn gesund ist

  • Kaumuskulatur: Überlastete Kaumuskeln wie Masseter und Temporalis können lokal schmerzen und in die Zähne ausstrahlen.
  • Zähnepressen und Knirschen: Dauerhaftes Pressen überlastet Kaumuskeln und Zahnhalteapparat. Die Zähne werden empfindlich auf Druck, Kälte oder beim Kauen. Mehr unter Bruxismus.
  • Kiefergelenk und CMD: Störungen im Zusammenspiel von Kiefergelenk, Muskulatur und Biss können Schmerzen verursachen, die sich wie Zahnschmerzen anfühlen. Mehr unter CMD.
  • Nasennebenhöhlen: Betrifft eine Entzündung die Kieferhöhle, schmerzen oft die Zähne im Oberkiefer (→ Sinusitis).
  • Trigeminusnerv: Reizungen des Trigeminusnervs, etwa bei einer Trigeminusneuralgie, können sich wie Zahnschmerzen anfühlen.
  • Halswirbelsäule: Auch aus dem Nacken können Schmerzen in Gesicht und Kiefer ausstrahlen (→ Zervikalsyndrom).

Wie werden Zahnschmerzen durch den Kiefer abgeklärt und behandelt?

Die Abklärung beginnt mit einer zahnärztlichen Untersuchung, oft mit Röntgen (Renton, 2011). Ist der Zahn gesund, werden Kiefergelenk, Kaumuskulatur und Nacken untersucht. Dann übernehmen, je nach Befund:

  • Zahnärztin oder Zahnarzt: prüft auf Pressen und Knirschen und versorgt bei Bedarf mit einer Aufbissschiene.
  • Physiotherapie: behandelt Triggerpunkte in Masseter und Temporalis, lockert Kiefer und Nacken und zeigt dir Übungen.
  • Logopädie: wenn Zungenlage und Schluckmuster mitspielen.
  • Neurologie: bei Verdacht auf eine Nervenreizung.

Was du im Alltag gegen das Pressen tun kannst

  • Zähne pflegen und regelmäßig zur zahnärztlichen Kontrolle gehen.
  • Zähne nicht zusammenpressen: In Ruhe berühren sich die Zähne nicht. Lippen zu, Zähne auseinander, Zunge am Gaumen.
  • Pressen bemerken: beim Konzentrieren, Autofahren oder Sport kurz prüfen, ob du die Zähne zusammenbeißt.
  • Schiene besprechen: Bei nächtlichem Knirschen eine Aufbissschiene zahnärztlich besprechen.
  • Wärme: Eine warme Kompresse auf der Wange kann die Kaumuskeln lockern, wenn der Schmerz muskulär ist.
  • Stressausgleich und guter Schlaf.

Wann du mit Zahnschmerzen gleich in die Praxis solltest

Geh zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt, wenn

  • Zahnschmerzen stark sind oder länger als ein bis zwei Tage anhalten,
  • Gesicht oder Zahnfleisch anschwellen, Fieber, Eiter oder ein schlechter Geschmack dazukommen,
  • du nach einem Unfall Schmerzen hast oder ein Zahn abgebrochen ist.

Such sofort ärztliche Hilfe bei einer Schwellung mit Schluck- oder Atembeschwerden. Treten Schmerzen im Unterkiefer zusammen mit Brustschmerz, Atemnot oder Schmerzen im linken Arm auf, wähle den Notruf 144, weil das ein Herzinfarkt sein kann.

Die CRANii Übungen ersetzen keine zahnärztliche Untersuchung.

Häufige Fragen zu Zahnschmerzen durch den Kiefer

Kann das Kiefergelenk Zahnschmerzen machen?

Ja. Kiefergelenk und Kaumuskeln können Schmerzen in die Zähne ausstrahlen, besonders bei einer CMD. Ob das bei dir so ist, klärt die Zahnärztin oder der Zahnarzt, nachdem die Zähne selbst untersucht sind.

Kann Zähnepressen Zahnschmerzen auslösen?

Ja. Wer presst oder knirscht, belastet Zähne, Zahnhalteapparat und Kaumuskeln. Die Zähne können empfindlich auf Druck oder Kälte werden, und überlastete Kaumuskeln können in die Zähne ausstrahlen. Typisch sind Schmerzen am Morgen oder nach stressigen Tagen.

Woran erkenne ich, dass der Zahnschmerz von einer Kieferverspannung kommt?

Hinweise sind ein dumpfer Schmerz, der mehrere Zähne betrifft oder die Seite wechselt, harte Kaumuskeln an der Wange und Schmerzen, die nach Wärme oder Massage leichter werden. Sicher sagen kann das nur die zahnärztliche Untersuchung.

Quellen

  1. Renton T (2011): Dental (Odontogenic) Pain. Rev Pain. PubMed

  2. Yatani H et al. (2014): Systematic review and recommendations for nonodontogenic toothache. J Oral Rehabil. PMID 25040436. PubMed

  3. Wright EF (2000): Referred craniofacial pain patterns in patients with temporomandibular disorder. J Am Dent Assoc. PMID 10986831. PubMed